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Radsport: Auch Bernhard Kohl positiv getestet – Sofortiger Rückzug des Gerolsteiner-Teams

Veröffentlicht am | Oktober 14, 2008 |

VON MARCO HEIBEL

Eine Woche nach seinem Teamkollegen Stefan Schumacher ist auch der österreichische Gerolsteiner-Fahrer Bernhard Kohl in der A-Probe positiv auf das EPO-Präparat CERA getestet worden. Die beiden Radprofis waren den Fahndern der französischen Antidoping-Agentur (AFLD) bei Nachkontrollen mit einem neuartigen Testverfahren aufgefallen. Die Proben, die während der Tour de France genommen worden sind, waren bei der ersten Untersuchung im Sommer noch negativ gewesen. Obwohl das Ergebnis der B-Probe bei beiden Athleten noch aussteht, hat Hans-Michael Holczer, der Sportliche Leiter von Gerolsteiner, den sofortigen Rückzug seines Teams aus dem Profi-Radsport bekannt gegeben.

Sensationeller Aufstieg bei der Tour de France

Sowohl der zweifache Tour-Etappensieger Schumacher als auch Kohl, der den dritten Platz im Gesamtklassement belegte und die Bergwertung gewann, zählten zu den großen Überraschungen bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt. Gerade die Leistungsexplosion Kohls, der im Jahr zuvor noch mit mehr als 70 Minuten Rückstand auf Alberto Contador (Spanien) den 31. Rang in der Gesamtwertung belegt hatte, sorgte für Aufsehen. Auch Schumacher, der beide Einzelzeitfahren für sich entscheiden konnte, machte auf sich und das Team aufmerksam. Doch selbst ihre Erfolge konnten nicht verhindern, dass der Rennstall für 2009 keinen neuen Hauptsponsor fand. Schumacher unterschrieb daraufhin beim Quickstep-Innergetic-Rennstall, während Kohl als Unterstützung des Tour-Zweiten Cadel Evans (Australien) vom belgischen Silence-Lotto-Team unter Vertrag genommen wurde. Die Sportlichen Leiter beider Mannschaften haben für den Fall einer positiven B-Probe bereits rechtliche Konsequenzen angedroht. Auch Gerolsteiner-Teamchef Holczer leitete gegen Kohl und Schumacher umgehend Schadensersatzklagen ein.


Gerolsteiner zieht sich mit sofortiger Wirkung zurück

Gemäß dem Ethikcode der Team-Vereinigung MPCC hat sich das Team Gerolsteiner nach dem Dopingfall Bernhard Kohl mit sofortiger Wirkung aus dem Radsport zurückgezogen. Laut diesem Reglement greift nach dem zweiten Dopingfall automatisch der Selbstsanktionierungs-Mechanismus: Der betroffene Rennstall muss sich für acht Tage aus dem Geschehen zurückziehen. Da die Lombardei-Rundfahrt am kommenden Samstag ohnehin das letzte Rennen für Gerolsteiner sein sollte, ist der Rückzug gleichbedeutend mit dem Ende des Teams. Auch eine Rückkehr Holczers als Sportlicher Leiter eines anderen Profi-Teams scheint ausgeschlossen: „Für mich ist es an der Zeit, mich zu verabschieden. Ich kapituliere vor dieser kriminellen Energie.“

Weitere positive Befunde zu erwarten

Sofern die B-Proben der beiden Gerolsteiner-Fahrer den ersten Befund bestätigen, steht für die diesjährige Tour de France das Rekordergebnis von sieben Dopingfällen zu Buche. Neben den vier Fahrern, die bereits während der Frankreich-Rundfahrt überführt wurden (darunter der zweifache Etappensieger Ricardo Ricco aus Italien), wurde neben Schumacher und Kohl mit dem Italiener Leonardo Piepoli noch ein weiterer Etappensieger bei der Tour nachträglich des Dopings überführt. Da allerdings noch zahlreiche Analysen von Blutproben auf CERA ausstehen, und außerdem ein neues Testverfahren zum Nachweis von Eigenblutdoping kurz vor der Marktreife steht, ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Dopingsünder noch weiter steigt.

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